Aus Alt mach Neu – und lass es wieder alt aussehen

Der Stil von Schränken, Betten, Sitzgelegenheiten richtete sich früher oft nach Epochen oder wurde nach mächtigen Königshäusern benannt. Manchmal gelangten auch die Namen begabter Handwerker, Künstler oder Werkstätten in den Rang eines Markenzeichens oder einer Stilrichtung. Vielfach haben diese Stücke bis heute einen guten Klang: beispielsweise englische Stühle von Chippendale, französische Schreibtische im Stil von Louis dem XVI., sachliche Sessel-Klassiker aus dem Dessauer Bauhaus, robuste und funktionale Schränke aus Hellerau. Solche Stücke findet man aber eher im Museum als auf Flohmärkten oder Omas Speicher. Sollte jemand so ein museales Wertstück ausgraben, ist es wohl das Besten, einen Restaurator zu Rate zu ziehen. Hier finden Sie zusätzlich Tipps, wie sich alte Möbel aufbereiten lassen.

Liebhaberstücke wieder in Form bringen
Doch nicht selten findet sich im Familienbesitz das eine oder andere Liebhaberstück von Eltern, Großmama oder Uropa, das dereinst solide gebaut, von den Vorfahren teuer bezahlt, auch heute noch einen würdigen Platz in den eigenen vier Wänden verdient hat. Aber wenn so ein gutes, altes Stück ein paar Macken und Schrammen hat? Dann sollte es nicht an Mut und Geschick fehlen, die alten “Schätzchen” wie Truhen, Schränke und Kommoden der älteren Generationen wieder herauszuputzen.

Alte Möbel aufbereiten: Erst schleifen, dann neu schmücken
Es muss oft nicht eine Generalrenovierung sein. Etwas Beize, Farbe und Hartwachs, Porenschließer, Schellack und Retuschierstifte sollten da oft schon genügen. Mit Schleifpapier oder -maschine lässt sich meistens die in die Jahre gekommene Altfarbe leicht entfernen, selbst wenn das gute Stück inzwischen an der Oberfläche fast an eine Zwiebel erinnert. Größere Farbflächen oder dickere Schichten sollten sauber abgeschliffen werden, bis das ursprüngliche Holz wieder sichtbar wird. Kommen dabei Flecken oder Farbunterschiede – zum Beispiel infolge Verwendung verschiedener Holzarten oder ungleichmäßiger Sonneneinstrahlung – zutage, dann kann der Holzton mit Beize angeglichen werden. Oder es soll ein spezieller Farbton, abweichend von der natürlichen Holzfarbe, sein. Die natürliche Struktur der Oberfläche bleibt so erhalten, die Maserung bleibt sichtbar. Vor dem Beizen sollte der Grund einmal angeschliffen werden. Passt die natürliche Holzfarbe, kann auch mit dem natürlichen Leinölfirnis grundiert werden.

Der “Wurm” ist eine Larve und längst ausgezogen
Sind beim Entfernen der alten Anstriche Schrammen und Kerben zum Vorschein gekommen, lassen sich diese mit Holzkitt und Wachs verschließen und ausbessern. Auch die Löcher, die der Holzwurm hinterlassen hat, der gar ja eigentlich kein Wurm ist, sondern die Larve vom gemeinen oder gewöhnlichen Nagekäfer können mit Wachs oder Kitt verschlossen werden. Diese Tierchen sind in Omas Schrank meistens längst ausgestorben. Die löchernde Larve benötigt eine Mindestholzfeuchtigkeit von mehr als 10 Prozent und bevorzugt kühlere Orte – deshalb tritt dieser Holzschädling in zentralbeheizten Räumen nur selten auf. Seine Hinterlassenschaft aber lässt sich einfach mit natürlichem Hartwachs verschließen und später überpinseln.

Pflegen mit Balsam aus Bienenwachs
Vor dem Kitten sollte das Holz mit Alkohol benetzt werden, damit der Hobby-Restaurator eine Vorstellung vom Farbton bekommt, die das Holz nach dem Lackieren annehmen würde. Diesen Farbton sollte auch das Wachs haben, das zur Anwendung kommt. Es kann einfach mit den Fingern weich geknetet werden und wird mit einem Holzspatel in die Öffnung gedrückt werden. Sollen größere Bereiche verschlossen werden, so ist das Wachs im Wasserbad zu erwärmen und zu verflüssigen, da es hauptsächlich aus Bienenwachs und Paraffin besteht. Es wird mit dem Spatel aufgetragen und die Überschüsse werden sofort wieder aufgenommen. Für unbehandelte oder grundierte Holzoberflächen alter Möbel, aber auch pflegebedürftiger hölzerner Spielzeuge, ist Bienenwachsbalsam vorzüglich geeignet.

Neuer Glanz für betagte Möbel
Bienenwachsbalsam ist ein natürliches Mittel zur Imprägnierung und zur späteren Pflege. Er wird dünn mit dem Pinsel oder durch Einreiben mit einem Tuch auf die saubere Holzoberfläche aufgetragen. Wichtig zu wissen: Bei Temperaturen von unter 10 Grad Celsius kann man Bienenwachs-Pflegemittel nicht verarbeiten. Bei Bedarf lässt der Balsam sich mit Wasser verdünnen. Es wird dünn und gleichmäßig in Faserrichtung aufgetragen. Bei Bedarf wird nach der Zwischentrocknung ein weiterer Anstrich ausgeführt. Soll die Oberfläche des alten Möbels später statt stumpf zu sein, wieder seidig glänzen, wie einst zu Omas besten Zeiten, so kann nach der Trocknung mit einer Polierbürste oder einem fusselfreien Tuch die Flächen unter leichtem Druck aufpoliert werden. Ebenso ist später bei einer Wellness-Kur für das gute Stück zu verfahren. Zur Beseitigung von Wasserflecken oder kleiner Beschädigungen und zur Auffrischung abgenutzter Oberflächen kann der Balsam zudem dünn mit einem Lappen auftragen werden.

Natürliche Hilfsmittel lassen sich einfach verarbeiten
Um große Poren in alten Hölzern zu schließen, werden vom Fachmann manchmal auch Bimsmehl, flüssige Vaseline und Alkohol eingesetzt. Daraus wird eine Paste angerührt, die Holzporen schließen kann. Die Schließpaste wird von Hand mit einem Ballen unter kräftigem Druck und kreisförmigen Reibebewegungen auf die Oberfläche aufgetragen. Ist der Holzgrund wieder in Schuss gebracht, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das antike Stück auch mit überkommenen Techniken zu veredeln. Am einfachsten ist natürlich ein Anstrich mit einer natürlichen Dekofarbe oder mit farblosem Bienenwachs. Mit dem Wachs erzielt man eine glatte, seidig glänzende Oberfläche, die atmungsaktiv, antistatisch und wasserabweisend bleibt.

Altes Wissen über interessante Oberflächen
Wer sein Lieblingsmöbel doch antiker ausschauen lassen möchte, könnte auch stumpfen. Die Stumpftechnik ist das Aufbrechen eines noch nassen Farbfilms. Dadurch soll eine gleichmäßig, samtartige Beschichtung des Möbels erreicht werden, die keine Pinselspuren aufweist und die natürliche Holzmaserung überdeckt. Ein auf diese Art strukturierter Grund eignet sich als guter Träger für wirklich kunstvolle Dekorationsarbeiten an Antiquitäten, wie Linien oder Blattgold, Blumengirlanden oder Schablonierarbeiten – allerdings ist dies eher etwas für den Profi. Kalken oder das bereits erwähnte Beizen war früher sehr in Mode, um grobporige Harthölzer wie Eiche, Esche oder Kastanie an der Oberfläche zu veredeln. Schließlich wurden schon anno dazumal neue Möble auf alt getrimmt, indem die Craqueliertechnik zur Anwendung kam. Diese nicht ganz einfache Behandlung wird mit ganz speziellen Farben in zwei unterschiedlichen Schichten ausgeführt. Am Ende bricht die obere Schicht “kontrolliert” in ein Netz von Rissen auf. Das kann sehr eindrucksvoll “alt” wirken, ist aber noch nichts für Restaurierungs-Grünhörner.

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